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Lebensräume

 

Wienerwald – das größte Laubwaldgebiet Europas

Der Wienerwald ist das größte zusammenhängende Laubwaldgebiete Mitteleuropas. Die Lage eines derart großen Waldgebietes am Rande einer Großstadt ist einzigartig. Die unterschiedlichen klimatischen und geologischen Bedingungen im Wienerwald sind der Grund für eine große Vielfalt an Waldtypen. Im Biosphärenpark sind mehr als 20 Waldtypen vorhanden.

 
Diptam (© A.Mrkvicka)

Am häufigsten sind Buchenwälder zu finden, welche oft hallenartige Bestände ohne viel Unterwuchs bilden. Verbreitet sind auch Eichen-Hainbuchenwälder in den etwas tieferen Lagen. Besonders artenreich ist der lichte Flaumeichenwald in den trockenen Gebieten des Kalkwienerwaldes. Man findet hier seltene Arten wie Diptam oder Blutstorchenschnabel und anspruchsvolle Tierarten wie Smaragdeidechse und Segelfalter.

 
Schwarzföhrenwald bei Baden (© A.Mrkvicka)

Charakteristisch ist der bizarre Schwarzföhrenwald auf den Kalkklippen an der Thermenlinie. Dort können wegen der schlechten Wasserversorgung anspruchsvollere Baumarten nicht aufkommen. Hier leben wie in den Flaumeichenwäldern viele wärmeliebende Tierarten.

Eine weitere Besonderheit des Wienerwaldes ist der Gipfeleschenwald. Ihn findet man auf lehmigem Boden in den Gipfelbereichen der „Wienerwald-Berge“. Der Unterwuchs mit Schneeglöckchen, Lerchensporn und Brennessel hat Ähnlichkeiten zu einem Auwald.

 
Alpenbock (© A.Mrkvicka)

Ein wichtiger Lebensraum im Wald ist das Totholz - natürlich abgestorbenes Holz. Von und in ihm leben zahlreiche sehr seltene und hochspezialisierte Tiere wie der Alpenbock, der Eichenbock oderFledermäuse. Auch zahlreiche Vögel wie der Weißrückenspecht und viele gefährdete Pilzarten wie der Eichenzungenporling haben im Totholz ihr Zuhause. Totholz ist nicht nur in den Kernzonen wichtig sondern auch im Wirtschaftswald, da es die Artenvielfalt erhöht.

 
Frühlingsadonis (© A.Mrkvicka)

Wiesenvielfalt

Neben dem Wald sind es besonders die Wiesen, die den Wienerwald zu etwas ganz Besonderem machen.

Im Wienerwald gibt es je nach Bodentyp, Nährstoff- und Wasserhaushalt 17 verschiedene Wiesentypen, die ganz bestimmten Tieren und Pflanzen einen Lebensraum bieten. So findet man im Trockenrasen Kuhschelle, Frühlingsadonis und das Ziesel. Auf den feuchten Pfeiffengraswiesen wachsen Sibirische Schwertlilie und Lungenenzian. Magerwiesen sind mit bis zu 70 Pflanzen- und 560 Tierarten pro Hektar nicht nur artenreich sondern mit ihrem Blütenreichtum auch einer der schönsten Wiesentypen des Wienerwaldes.

 
Feuchtwiese (© A.Mrkvicka)

An kalkhaltigen Quellaustritten gibt es kleine Flachmoorwiesen, die heute durch  Quellfassungen, Drainagierung und gut gemeinte „Biotopanlage“ sehr seltene geworden sind. Sie sind Lebensraum für Breitblättriges Wollgras und Orchideen wie die Sumpf-Stendelwurz, Amphibien, Libellen, Schmetterlinge und viele andere Insekten.

Für den Wanderer und Naturfreund ist die bunte Wienerwald-Wiese der Inbegriff der „unberührten Natur“, doch sind alle diese Wiesen und Weiden erst durch Rodung und jahrhundertelange Bewirtschaftung durch den Menschen entstanden. Mahd- und weidetolerante Pflanzen der Waldlichtungen und -schläge wanderten ein. Andere Pflanzenarten entwickelten sich erst durch die Nutzung. Mit dem Aufhören der landwirtschaftlichen Nutzung würden sich unsere Wiesen über verschiedenen Verbuschungsstadien wieder zum Wald zurückentwickeln.

 
Weingärten in Perchtoldsdorf (© A.Mrkvicka)

Weingärten

An den wärmegetönten Abhängen des Wienerwaldes prägt der Weinbau die offene Kulturlandschaft. Ist den Bereichen der Weinbaulandschaft, die reich an Strukturen wie Obstbäumen, Hecken, blütenreichen Feldrainen und Steinmauern sind. leben zahlreiche interessante und gefährdete Tiere und Pflanzen. So wächst der Ackergelbstern auf trockenen Böschungen. Grünspecht und Gartenrotschwanz brüten in alten Obstbäumen, die Heidelerche als Bodenbrüter zwischen den Rebzeilen. Smaragdeidechse und Äskulapnatter bevorzugen gut besonnte Steinmauern und Steinriegel mit einzelnen Büschen. Sandbienen nützen offenen Boden zum Bau ihrer Brutröhren. Heuschrecken und zahlreiche andere Insekten leben auf Feldrainen und Böschungen.

 
Bach bei Glashütten (© I.Drozdowski)

Quellen, Bäche und Flüsse

Wo offene Quelltümpel vorhanden sind, kommen im ganzjährig kalten, kalkreichen Wasser zum Beispiel Bachbunge, Wasser-Minze und Armleuchteralgen und spezialisierte Tierarten wie Quelljungfer, Eintagsfliegen oder Erbsenmuscheln vor.  

 
Gelbbauchunke (© A.Mrkvicka)

Ein ebenfalls interessanter und heute sehr selten gewordener Gewässertyp sind die zeitweise austrocknenden Lacken und Tümpel. Hier finden wir neben Gelbbauchunke, Wechsel- und Knoblauchkröte auch einige typische Pflanzen wie Ysop-Blutweiderich und Kleines Tausendguldenkraut.

Besondere ökologische Bedeutung haben die Bäche und Flüsse im Wienerwald. Sie sind zumindest im Oberlauf oft noch natürlich oder naturnahe erhalten und der Lebensraum empfindlicher Arten wie Steinkrebs, Feuersalamander und Koppe. Durch Renaturierung konnten einige in den 1930er bis 1970er Jahren hart verbaute Bäche wie die Liesing oder der Mödlingbach wieder zu wertvollen, artenreichen Lebensräumen verwandelt werden.

 

Naturgärten

Auch unsere Gärten spielen für die Artenvielfalt der Landschaft eine große Rolle, wenn sie naturnah gestaltet sind. Über Totholz- und Laubhaufen freuen sich die schon selten gewordenen Igel. Kleine Gartenteiche ohne Fischbesatz geben Amphibien und Wasserinsekten einen wichtigen Lebensraum. Obstbäume und Sträucher bieten vielen Vogelarten Nahrung und Nistplätze und blütenreiche Wiesenbereiche und Stauden ziehen zahlreiche Insekten an.

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